Inhalt des Dokuments
zur Navigation
Feld Tagebuch - Team Parnon
In diesem Bericht werden die Aktivitäten des Parnon-Teams ausführlich beschrieben. Ziel der diesjährigen Perseiden-Kampagne war sowohl das Überprüfen der Funktion der SPOSH-Kamera als auch die Bestimmung der Flussrate des Meteorstroms und Orbitberechnungen.
Beobachtungsstandort Parnon
Unser Team bezog Stellung im Parnon-Gebirge, ungefähr 30km südöstlich der Stadt Tripoli auf der Halbinsel Peloponnes. Auf dem Megali Tourla, einer Bergspitze nahe dem höchsten Gipfel des Parnon-Gebirges mit einer Höhe von 1.420m ü.NN befindet sich das Katafygio (zu deutsch „Refugium") des Bergsteigerclubs Sparta. Es ist das einzige Gebäude im Umkreis von mehreren Kilometern und dient Wandertouristen als Unterkunft. Etwa 300m waldeinwärts befindet sich ein ehemaliger Fußballplatz, der heute vom Astronomieverein Sparta (Sparta Astronomy Association) für dessen nächtliche Beobachtungen genutzt wird. Zur vierten nationalen Sternenparty im Juli 2010 beherbergte der Ort mehr als 400 Gäste. Der Standort Parnon bietet durch seine abgeschiedene Lage im Gebirge klare und freie Sicht für sowohl visuelle als auch kameragestützte Beobachtungen und ist dennoch leicht mit dem Auto zu erreichen. Zusätzlich ist man praktisch keiner Lichtverschmutzung durch umliegende Städte oder Verkehr ausgesetzt was Parnon zu einem optimalen Standort für Meteorbeobachtungen und andere astronomische Studien macht.
Die Anreise
Am 10ten August 2010 um genau 6.20 Uhr morgens brachen die Teams Parnon und Mainalon vom Flughafen Berlin-Schönefeld aus auf in Richtung Griechenland. Wir kamen um 10.00 Uhr morgens in Athen an und trafen uns dort mit zwei Mitgliedern des griechischen Amateur-Astronomievereins und Herrn Apostolos Christou von der Sternwarte Armagh (Großbritannien), die sich uns gemeinsam als ortskundige Kontaktpersonen und Helfer zur Verfügung stellten. Nachdem jedes Team sein Mietauto abgeholt hatte fuhren wir zusammen in Richtung Tripoli bis sich unsere Wege dann in Richtung Mainalon und Parnon trennten.
Unser Team erreichte Mt. Parnon um 19.00 Uhr. Nachdem wir die SPOSH-Kamera, das zugehörige Werkzeug und unser restliches Gepäck ausgeladen hatten nahmen wir per Telefon Verbindung mit unserem Partnerteam in Mainalon (etwa 53km nordwestlich von Parnon) auf, um uns zu erkundigen ob das Team sicher angekommen war und ob alles reibungslos ablief.
Feldarbeit
Nacht 1 (10-11.08):
In der Nacht vom 10ten zum 11ten August gegen 21.00 Uhr bauten wir unsere Kamera für einen Probelauf auf. Installation und Bedienung von Hardware und Software gestalteten sich völlig problemlos, da wir vor Beginn der Kampagne eine gute Trainingswoche im DLR absolviert hatten. Da der Himmel um diese Uhrzeit für normale Beobachtungen eigentlich noch zu hell war entschieden wir uns, auf etwas mehr Dunkelheit zu warten; gegen 22.00 Uhr waren die Lichtverhältnisse schließlich günstig. Nach Absprache mit dem Mainalon-Team und einer letzten Überprüfung der Synchronisation unserer GPS-Uhren und der Computer begannen wir unsere nächtlichen visuellen Beobachtungen und die Aufnahmen mit der SPOSH-Kamera um 22.00 Uhr. Das Wetter war uns sehr wohl gesonnen - klarer Himmel, keine Spur von Wolken (0% Bedeckung), Temperaturen von 19°C gegen zehn Uhr bis 15°C zwischen Mitternacht und den frühen Morgenstunden. Mit der Unterstützung zweier weiterer Helfer (also insgesamt vier Personen) konnten wir über die gesamte Beobachtungsperiode hinweg 94 Meteore mit bloßem Auge wahrnehmen. In dieser Nacht fanden sich ungefähr 15 Leute mit unterschiedlichen Teleskopen und Kameras für eigene Beobachtungen auf unserer Lichtung zusammen. Einige Leute kamen zu uns und erkundigten sich danach, was wir dort eigentlich machen und wie unsere Ausrüstung funktioniert. Während wir auf die Dunkelheit warteten und während „ruhigerer" Arbeitsperioden lernte ich von meinem Teamparter Herrn Elgner viel über die sichtbaren Sternkonstellationen.
Nacht 2 (11-12.08):
Am 11ten August war unsere Kamera gegen 21.00 Uhr aufgebaut und startklar. Das Wetter war wie schon am Abend zuvor hervorragend: klarer Himmel und Wolkenbedeckung von ungefähr 5% gegen 21.10 Uhr. Als wir schließlich um 22.00 Uhr unsere Arbeit begannen, hatte sich die Wolkendecke auf 0% reduziert. Die Temperaturen hielten sich um 21.00 Uhr bei um die 20°C und fielen ab Mitternacht bis in die Morgenstunden bei leichtem Wind auf 16°C. Unsere visuellen Beobachtungen ergaben 103 Meteore mit unterschiedlichen Richtungen. Am Morgen des 12ten August gegen 5.10 Uhr gab es einen kurzen Ausfall des Generators, der unser Kameraequipment mit Energie versorgte. Es kam aber nicht zu einem totalen Ausfall und der Generator sprang bald danach wieder von selbst an. Wir verloren ca. vier Minuten Messzeit während dieses Ausfalls, da die rotierende Blende zum Stillstand kam und das Sichtfeld der Kamera teilweise abdeckte.
Nacht 3 (12-13.08):
Am 12ten August bauten wir unser Ausrüstung um 21.05 Uhr für einen Testlauf auf. Während dieser Zeit war der zunehmende Mond am Horizont sichtbar, ging aber gegen 21.30 Uhr schon wieder unter. Um 22.00 Uhr hatten wir wieder klare Sicht und 0% Wolkendecke. Die Temperaturen bewegten sich um die 19°C um 22.00 Uhr und 15°C am frühen Morgen. Gegen Mitternacht kam leichter Wind auf. Wir zählten 195 helle Meteore mit bloßem Auge, von denen die Meisten dem Meteorschwarm der Perseiden angehörten.
Da in dieser Nacht das Maximum der Perseiden erwartet war hatten wir wesentlich mehr Gesellschaft, ungefähr 40 weitere Beobachter waren in dieser Nacht bei uns. Bevor wir unsere Beobachtungen begannen besuchten uns sieben Studenten des Instituts für Physik der Universität von Athen und stellten Fragen zu unseren Aufgaben und der Funktionsweise der Kamera.Nacht 4 (13-14.08): Am 13ten August hatten wir unsere Kamera um 21.30 Uhr an Ort und Stelle und warteten mit dem Beginn unserer visuellen und kameragestützten Beobachtungen bis 22.00 Uhr. Es befanden sich nun weniger Mitbeobachter an unserem Standort, da die meisten nach dem Maximum der Perseiden abgereist waren. Wir konnten visuell 193 helle Meteore zählen, von denen wiederum die meisten zu den Perseiden gehörten. Meteore, deren Trajektoren abwichen wurden ebenfalls beobachtet, allerdings waren Häufigkeit und Helligkeit im Allgemeinen geringer.
Heimreise
Unsere Rückfahrt begann um 12.00 Uhr Mittags im Parnon-Gebirge, von wo aus wir nach Tripoli fuhren um uns mit dem Mainalon-Team zu treffen. Nach einem kurzen persönlichen Austausch mit unseren griechischen Helfern begaben wir uns nach Athen, um unsere Mietautos abzugeben. Wir verließen den Flughafen von Athen um 20.30 Uhr und landeten schließlich um 22.25 Uhr auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld.
Zusammenfassung und danksagung
Die Perseiden-Kampagne 2010, die vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR organisiert und gemeinsam mit Wissenschaftlern der Technischen Universität Berlin und der European Space Agency ESA durchgeführt wurde, war durchaus erfolgreich. Wir konnten allein am Standort Parnon während der gesamten Beobachtungszeit visuell mehr als 500 helle Meteore zählen. Nach Auswertung der Daten ist ein Vielfaches dessen für die Gesamtzahl an Meteoren zu erwarten. Die teilnehmenden Studenten konnten während dieser Kampagne vieles lernen und erhielten die Chance, praktische Erfahrungen in den Bereichen Planetare Forschung und Sonnensystemforschung zu sammeln.Wir bedanken uns bei der TU-Berlin für die finanzielle Unterstützung, sowie beim DLR und der ESA für Logistik und Fachkompetenz. Wir möchten ebenfalls die großartige Hilfe der „Greece Amateur Astronomers Association" würdigen, und bedanken uns ins Besondere bei Herrn Vagelis Tsamis, Herrn Apostolos Christou und all den wunderbaren Menschen, die wir während der Kampagne kennenlernen durften.
(Text von: Jacob Nsiah, Student, IGG, Tu Berlin)




